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Neue Stellplatzabgabe macht Wohnbauten billiger

Neuer Stellplatzschlüssel soll im Gemeinderat beschlossen werden.

Die Stellplatzverordnung schreibt vor, wie viele Parkplätze bei der Errichtung von Wohnbauten und Geschäften gebaut werden müssen. Experten der TU-Wien empfehlen eine Änderung.
Die derzeitige Stellplatzverordnung sieht vor, dass nahezu im gesamten Stadtgebiet 1,5 Parkplätze pro Wohneinheit bei größeren Wohnbauprojekten errichtet werden müssen.

Leistbares Wohnen als Prämisse
„Wir müssen beim Wohnbau darauf achten, dass die Errichtungskosten nicht zu teuer werden und der Wohnraum leistbar ist. Der Stellplatzschlüssel ist ein wesentlicher Preistreiber. Der Zwang viele Parkplätze errichten zu müssen ist kosten- und flächenintensiv. Zudem hat der Stellplatzschlüssel unmittelbare Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten der Bürger. Die Zielsetzungen der Stadt sind die verstärkte Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel, wie das zu Fuß gehen, die Nutzung des Fahrrades sowie des Öffentlichen Verkehrs", erklärte Bürgermeister Mag. Matthias Stadler.


Von der Stadtplanung wurde daher  an der Technischen Universität Wien einen Studie in Auftrag gegeben, welche die derzeit geltende Stellplatzverordnung überprüfte. Die Ergebnisse der Studie liegen nun vor. 


Der neue Stellplatzschlüssel
In der Sitzung des Gemeindesrates am 29.04.2019 soll der derzeitige Stellplatzschlüssel auf Basis der Studie von Professor Dr. Arthur Kanonier und DDI Kurt Weninger aktualisiert.

Ein Zonen-Modell aus vier Stufen soll daher Projektentwicklern im großvolumigen Wohnbau die Möglichkeit geben, auf bis zu 33% der bisher üblichen PKW-Stellplätze beim Wohnungsbau zu verzichten. Abhängig von der Lage des Projektstandortes und seiner Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz kann der Stellplatzschlüssel von den bisher üblichen 1,5 Stellplätzen je Wohneinheit auf 1,0 Stellplätze je Wohneinheit im Kernstadtbereich, sowie in den angrenzenden Bereichen von 1,2 und 1,35 Stellplätze je Wohneinheit, herabgesetzt werden.
Gleichzeitig wird in umgekehrt die Anzahl der zu errichtenden Fahrradabstellplätze erhöht, wobei der neue Stellplatzschlüssel die Zahl der Fahrradabstellplätze im Kernstadtbereich verdoppelt. Projekte wie Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften sind von diesem Stellplatzschlüssel ausgenommen.
 
Die Vorteile der Änderung
„Die Stellplätze sind eine wichtige Stellschraube zur Steuerung des Verkehrs insgesamt. Eine Reduktion des Verkehrsaufkommens ist ein wichtiges Ziel zur Erreichung der Klima- und Energieziele, zu denen sich Österreich verpflichtet hat. Die Bereitstellung von Stellplätzen kann – bei zu hohem Angebot – zu einem Mehr an Autoverkehr führen. Die Errichtung von Stellplätzen benötigt zudem wertvolle Flächen und stellt einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor dar. Im schlimmsten Fall kann das – vor allem in dicht besiedelten Gebieten vor allem im Zentrum – dazu führen, dass Nachverdichtung, Innenentwicklung aber auch die Umnutzung bestehender Gebäude erschwert oder gänzlich unmöglich wird. Eine räumlich differenzierte Vorgabe der Stellplatzanzahl kann den örtlichen Gegebenheiten besser Rechnung tragen und dementsprechend zur Nutzung der Vorteile aber auch zur Vermeidung der Nachteile beitragen,“ fasst der Experte für Raumplanung von der Technischen Universität Wien, DDI Kurt Weninger, die Vorteile zusammen.

Durch richtiges Maß kein erhöhter Parkdruck
Bedenken, dass durch eine Reduktion der Stellplatzvorgaben zu wenige Stellplätze errichtet werden, zerstreut Professor Dr. Arthur Kanonier: „Bei geeigneter Anpassung wie es hier in St. Pölten geschieht, werden ohnehin nur die nicht benötigten Stellplätze wegfallen. Bereits jetzt zeigt sich, dass die aufgrund von Stellplatzvorgaben errichteten Stellplätze, in dichter besiedelten Bereichen mit gutem ÖV-Angebot zum Teil gar nicht nachgefragt werden. Oft müssen diese aber mitgemietet oder – gekauft werden, was den Wohnraum entsprechend verteuert. Andere Beispiele zeigen, dass KFZ-Besitzer ihre Fahrzeuge im öffentlichen Raum abstellen, obwohl sie eigene Stellplätze besitzen.“

Neues Stellplatzregulativ ist Teil eines Gesamtkonzeptes
Mit dem neuen Stellplatzregulativ sollen langfristig die Ziele des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes 2016 und des Generalverkehrskonzeptes 2014 umgesetzt werden und es dient als wichtiger Baustein für einen Mobilitätswandel in St. Pölten. Die Maßnahme stellt zudem die Schaffung von leistbarem Wohnen in St. Pölten auch in der Zukunft sicher.